Heute stellen wir Ihnen die Heilpflanze Johanniskraut vor.
BESCHREIBUNG. Man findet das Johanniskraut in Europa und in Asien. Beim Zerreiben der Blüten tritt roter Saft aus, der die Haut blutrot färbt. Deshalb wird die Planze oft mit dem Glauben an Wunder in Verbindung gebracht. Medizinisch zum Einsatz kommen die getrockneten, blühenden, oberirdischen Teile der Pflanze.
Bekannt wurde das Johanniskraut durch seine stimmungsaufhellende Wirkung. Im frühen 19. Jahrhundert wurde diese erstmals beschrieben. Im Zuge der Entwicklung und Einführung vieler Antidepressiva durch die Pharmaindustrie geriet die Wirkung von Johanniskraut jedoch in Vergessenheit, was sich erst wieder gegen Ende der 1980er veränderte.
ANWENDUNGSGEBIETE. Johanniskraut kann innerlich und äußerlich angewendet werden. Innerlich kommt es wie bereits angesprochen zur Anwendung bei depressiven Verstimmungszuständen, bei psychovegetativen Störungen, zu denen auch Angst und nervöse Unruhe gehören. Ölige Johanniskrautzubereitungen werden außerdem bei Verdauungsbeschwerden eingesetzt.
Äußerliche Anwendungen kommen ebenfalls in öliger Zubereitung zum Einsatz. Verletzungen lassen sich nachbehandeln, Muskelschmerzen lindern, Verbrennungen 1. Grades behandeln.
WIRKWEISE. Als Hauptwirkstoff des Johanniskrauts gilt Hyperforin. Standardisierter Johanniskrautextrakt erhöht durch eine Wiederaufnahmehemmung der Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin deren Konzentration an den Synapsen.
Die antidepressive Wirkung setzt erst nach 2-3 Wochen ein. Wenn die Depression wieder abgeklungen ist, sollte das Johanniskraut noch mindestens ein halbes Jahr lang eingenommen werden.
Johanniskraut gibt es in Form von Tabletten, Kapseln, Dragees, Filmtabletten, Öl und Tee. Empfohlen wird als mittlere Tagesdosis 2-4 Gramm. Dies entspricht etwa 500-800 mg der gängigen Extrakte.
Beim Tee werden morgens und abends jeweils eine ganze Tasse getrunken (2 Teelöffel auf 150 ml Wasser).
Die Wirksamkeit ist in zahlreichen Studien schulmedizinisch belegt. Das gilt jedoch nur für apothekenpflichtige Johanniskraut-Arzneimittel mit hochdosiertem Johanniskraut-Extrakt. Präparate aus der Drogerie, die nur gemahlenes Kraut enthalten, oder Johanniskraut-Tee haben eine zu geringe und oft schwankende Wirkstoffkonzentration. Dass die Anwendung von Teezubereitungen (die wesentlich preisgünstiger sind als die Extrakte) auch wirksam sein kann, ist zwar nicht nachgewiesen, sollte aber auch nicht ausgeschlossen werden, da die Wirkung des Johanniskrautes schon zu Zeiten entdeckt und beschrieben wurde, als noch keine Extrakte zur Verfügung standen.
WECHSELWIRKUNGEN
Verschiedene Wechselwirkungen führen dazu, dass die Konzentration im Blut von anderen Arzneimitteln gesenkt werden, was deren Wirksamkeit teilweise stark abschwächt. Beispiele sind Herzmittel, Schlafmittel, Verhütungsmittel, Antibabypillen, Immunsuppressiva, trizyklische Antidepressiva. Deshalb wurde das bisher frei erhältliche Johanniskraut 2003 der Apothekenpflicht unterstellt. Ausgenommen von der Apothekenpflicht sind Zubereitungen, die in einer Tagesdosis bis zu 1 g Drogenäquivalent und bis zu 1 mg Hyperforin enthalten,
NEBENWIRKUNGEN UND GEGENANZEIGEN
Johanniskraut hat auch zahlreiche Nebenwirkungen. Deshalb sollte eine Anwendung stets mit einem Arzt oder Heilpraktiker besprochen werden. Besondere Vorsicht ist geboten bei der gleichzeitigen Einnahme von Johanniskraut mit Antidepressiva. Die Konzentration des Botenstoffs Serotonin kann sich im Gehirn auf eine Konzentration erhöhen, die lebensbedrohlich werden kann.
Es kann geringe Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen, Erregung und Müdigkeit, aber auch eine phototoxische Reaktion der Haut (Sonnenbrandneigung) hervorrufen. In hoher Dosierung wirkt es u. U. stark phototoxisch. Menschen, die Johanniskraut regelmäßig einnehmen und in Solarien oder auf Urlaubsreisen “Sonne tanken” wollen, sollten ein Absetzen des Johanniskrautpräparates 14 Tage vor der ersten Licht-/Sonneneinstrahlung mit ihrem Arzt oder Apotheker besprechen.
Kinder unter 12 Jahren, Schwangere und Stillende sollten Johanniskraut nicht einnehmen.
ANMERKUNGEN.
Johanniskraut-Präparate werden in Deutschland in Apotheken, Drogerien und Supermärkten angeboten. Aus einer Studie geht hervor, dass die meisten nicht apothekenpflichtigen Präparate der Johanniskraut-Extrakte eine zu geringe Dosierung in ihren wirksamkeitsrelevanten Inhaltsstoffen aufweisen. Um sicherzugehen, dass das Präparat genügend Wirkstoffe enthält, sollte man es aus der Apotheke beziehen.
Viele Topmodels in den USA vertrauen seit Jahren auf Johanniskrautpräparate, da diese angeblich eine Verbesserung des Hautbildes bewirken sollen.